• Roman Made und die Biwako Zitrone

    Gestern sollte es endlich so weit sein. Bereits am Vorabend war ich in die Region Shiga gereist, um am kommenden Tag  Roman Made zu besuchen. Bereits morgens wurde ich von meinen Freunden am Hotel abgeholt und wir machten uns gemeinsam auf den Weg in Richtung des Büros von Roman Made. Bereits nach einigen Metern bogen wir ab und ich sah zum ersten Mal den berühmten Lake Biwa, den ich bisher nur von DVDs kannte. Die Größe des Sees ist überwältigend. Wenn man die, noch mit Schnee bedeckten, Berge am anderen Ufer nicht sehen würde, dann würde man wahrscheinlich seine Hand dafür ins Feuer legen am Meer zu stehen. Der Wind war sehr stark an diesem Tag und man konnte überall Wellen mit Schaumkrone beobachten. Kein gutes Zeichen für den am Nachmittag bevorstehenden Ritt im Bassboat von Roman Made.

    Doch zunächst ging es in die Firma von Roman Made. Dort angekommen durfte ich gleich einen Blick in die kleine Produktion werfen. Wer Roman Made kennt, der weiß bereits welche Kunstwerke hier hergestellt werden. Insgesamt besitzen nur zwei Mitarbeiter die Fähigkeiten die Swimbaits aus dem Holz zu schnitzen. Der Chef selbst, Takeyama-San, und einer seiner Mitarbeiter. Sobald die Köder geschnitzt und perfekt geschliffen sind, geht es an die Feinarbeiten, wie Kiemenbogen etc. Diese werden ebenfalls ausschließlich per Hand (Cuttermesser) in das Holz geschnitzt. Ist der Rohling fertig, beginnt das Austarieren.  Da Holz ein natürlicher Werkstoff ist, können auch bei bester Holzauswahl kleine Unterschiede auftreten. Um diese auszugleichen, und dem Köder den optimalen Lauf zu verleihen, wird jeder Ködern einzeln  mit den Drillingen in einem Wasserbecken getestet und entsprechend feinjustiert.

    Nachdem der optimale Lauf sichergestellt ist, können die Haken wieder runter und es geht zum Lackieren. In verschiedenen Schichten wird der Lack und das Airbrush-Design aufgetragen, bis der fertige Köder den Vorstellungen von Takeyama-San entspricht. Nach dem Trocknen kommen wieder die Drillinge dran und der Köder darf noch einmal ins Wasserbecken zur Endkontrolle. Jetzt ist der Köder fertig und  kann verpackt und an die vielen japanischen Shops, in die USA oder nach Deutschland verschickt werden.

    Für meine Begriffe ist Roman Made feinste Handwerkskunst. Der Output an Ködern variiert natürlich von Modell zu Modell, aber es können nur wenige Köder pro Tag gefertigt werden. Führt man sich mal die einzelnen Produktionsschritte vor Augen, oder sieht sie, wie in meinem Fall, gar selbst, dann ist schnell klar, warum Roman Made Köder ihren Preis haben.

    Im Anschluss daran war ich natürlich neugierig auf die vor kurzem erschienene Spinnrute von Roman Made. Kurzum – mir gefällt sie sehr gut. Sehr schlichtes Design, EVA-Grip und einen Blank in gewohnter Roman Made Manier. Die Spitze ist relativ soft und man bekommt schnell ein heftiges Rückgrad zu spüren. Die Freedom verfügt über ein Fast-Taper und sollte sich ziemlich vielseitig einsetzen lassen.

    Anschließend gab es einen gemütlichen Smalltalk über dies und das. Unter anderem fragte ich auch of der Slogan „One or all dream rod“ so korrekt sei. Und siehe da – man hat sich nicht vertippt, sondern sich sogar etwas dabei gedacht. Die Philosophie von Roman Made zielt auf den einen Traumfisch ab. Diesen einen Traumfisch soll man versuchen zu erwischen und nicht allen anderen hinterher jagen. So in etwa lässt sich das übersetzen.

    Aber da war doch noch etwas... Biwako... FISCHEN! Leider war der Wind immer noch so stark am nord-östlichen Teil des Sees, dass wir uns aufs Uferangeln beschränken mussten. Wir fuhren ein paar Spots an und der Gegenwind lies die Köder quasi wieder von unseren Füßen ins Wasser platschen. Also versuchten wir einen anderen Spot, der aber auch nicht viel besser war. Anschließend folgte ein dritter Spot, der zwar von den Umständen her besser war, aber dafür total überlaufen. Dort bekam ich immerhin einen fisch am anderen Ende der Schnur zu spüren, der sich aber nur den Köder vom Haken pflückte und wahrscheinlich jetzt noch in sich rein grinst es dem Deutschen gezeigt zu haben. Kurzum – auch am Bassparadies Biwako kann man schneidern!

    Abends sollte es noch was zwischen die Zähne geben. Gemeinsam ging es in ein Restaurant um ein wenig Shabu Shabu zu genießen. Als Vorspeise ich aber eine völlig neue Erfahrung sammeln. Auf die Frage hin, ob ich rohes Fleisch essen könne, runzelte ich nur die Stirn. Aufgetischt wurde schön garnierte und vor allem schön rohe Kuhzunge, Leber und irgendwelche Teile vom Magen oder so. Ganz männlich musste natürlich alles probiert werden. Der Geschmack ist eigentlich gar nicht schlimm – eher gut – aber irgendwie wird der Genuss doch von einer gewissen Abneigung überschattet.

    Das anschließend auf dem Tischgrill gerillte Shabu Shabu war allerdings, wie so viele japanische Gerichte, der absolute Hammer.

    Fazit: Roman Made beeindruckend, Wetter schlecht, Angeln auch, Essen top :)

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